top of page

Lernen mit KI – Einblick in eine echte Trainingseinheit

22. Juni
2 Min. Lesezeit

"Wird KI die Kinder noch fauler machen?" Diese Frage höre ich oft, wenn ich erzähle, dass ich ChatGPT in meinem Training einsetze. Die ehrliche Antwort: Im Gegenteil. Richtig eingesetzt, wird KI zu einem Lernbegleiter, der Kinder motivierter und selbstständiger macht – nicht weniger.



Um zu zeigen, wie das konkret aussieht, nehme ich euch heute mit in eine echte 90-minütige Trainingseinheit mit einem meiner Schüler. Nennen wir ihn Marc.


Der Einstieg: Körper und Gehirn aufwärmen

Wie jede Einheit beginnt auch diese mit body'n brain Koordinationsübungen. Diese motorischen Routinen fahren die neuronale Aktivität hoch, bevor es an die kognitiven Inhalte geht – vergleichbar mit dem Aufwärmen vor dem Sport. Marc steigt motiviert ein, die Übungen sind ihm inzwischen vertraut und geben ihm Sicherheit für das, was kommt.


KI als persönlicher Lernbegleiter

Marc hatte am nächsten Tag einen Mathematik-Test zur Wahrscheinlichkeitsrechnung, konkret zum Modus (Modalwert). Statt einfach Übungsblätter abzuarbeiten, haben wir gemeinsam ChatGPT genutzt, um einen maßgeschneiderten Probetest zu erstellen – passend genau zu dem, was er am nächsten Tag brauchte.


Der Unterschied zu klassischen Übungsblättern: Die Aufgaben waren exakt auf seinen Wissensstand zugeschnitten, sofort verfügbar, und er konnte das gelernte Wissen direkt anwenden. Die Motivation war dadurch spürbar höher als bei Standardübungen aus dem Buch.


Wichtig dabei: Die KI hat nicht für Marc gelernt – sie hat ihm geholfen, gezielter zu üben.


Eselsbrücken für Englisch-Vokabeln

Für besonders hartnäckige Vokabeln haben wir gemeinsam kreative Eselsbrücken entwickelt. Ein Beispiel: Das Wort "deserve" (verdienen) lässt sich leicht merken über den Klang – "des erve" wie "des verdien ich mir".


Die Erfahrung zeigt: Je absurder und bildhafter die Eselsbrücke, desto besser bleibt sie im Gedächtnis. Nicht jedes Kind findet jede Eselsbrücke gleich lustig – aber das ist auch gar nicht der Punkt. Entscheidend ist, dass das Gehirn sich ein ungewöhnliches Bild merkt, nicht eine trockene Übersetzung.


Cool Down mit Erfolgserlebnis

Nach der kognitiven Anstrengung lockern wir mit einem Spiel auf – an diesem Tag "Stadt, Land, Fluss". Interessant war die Reaktion von Marc zu Beginn: "Das kann ich gar nicht." Im Spielverlauf hat sich genau das Gegenteil gezeigt – er fand schnell passende Begriffe und konnte mit einem echten Erfolgserlebnis aus der Einheit gehen.


Diese Selbstunterschätzung sehe ich häufig bei Kindern mit Legasthenie oder LRS. Genau solche Momente des Erfolgs helfen dabei, dieses Muster langsam aufzubrechen.


Warum ich KI beim Lernen bewusst einsetze

Mir ist wichtig, dass KI hier nicht als Abkürzung verstanden wird, die Hausaufgaben erledigt. Sie ist ein Werkzeug, das ich gezielt einsetze, um Übungsmaterial zu individualisieren, Motivation zu steigern und Selbstständigkeit zu fördern.

Genauso wichtig: Kinder lernen dabei auch Medienkompetenz – Antworten zu hinterfragen und mit echten Schulunterlagen abzugleichen.


Fazit

KI ersetzt in meinem Training nichts von dem, was wirklich zählt – sie schafft mehr Raum dafür.


 
 
 

Kommentare


bottom of page