Was ist Legasthenie? Tipps zur Förderung
Aktualisiert: 9. Juni
Als Eltern kennt ihr das: Euer Kind ist aufgeweckt, neugierig, erzählt lebhaft von der Schule – und trotzdem will das Lesen und Schreiben einfach nicht klappen. Immer wieder die gleichen Fehler bei Dikatat, Aufsatz und Co. Immer wieder die gleiche Frustration.
Und irgendwann die Frage, die sich viele Eltern insgeheim stellen: Liegt es an meinem Kind? Oder an mir?
Was ist Legasthenie? Wie kann ich mein Kind am besten unterstützen?
Legasthenie ist keine Faulheit – und kein Versagen
Legasthenie, auch Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) genannt, ist eine neurologische Besonderheit. Das bedeutet: Das Gehirn eines Kindes mit Legasthenie verarbeitet Sprache, Buchstaben und Laute anders als das eines Kindes ohne Legasthenie. Nicht schlechter. Nicht defizitär. Einfach anders.
Kinder mit Legasthenie sind oft hochintelligent, kreativ und besitzen ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen. Sie denken in Bildern, in Zusammenhängen, in großen Ideen. Das Gehirn, das Schwierigkeiten hat, „d" und „b" auseinanderzuhalten, ist dasselbe Gehirn, das in anderen Bereichen Außerordentliches leisten kann.
Was passiert im Gehirn bei Legasthenie?
Bei Kindern mit Legasthenie arbeiten bestimmte Bereiche des Gehirns, die für das Lesen und Schreiben zuständig sind, weniger effizient zusammen. Die Verbindung zwischen dem gesprochenen Laut und dem geschriebenen Buchstaben – Fachleute nennen das die phonologische Bewusstheit – ist erschwert. Das Kind hört das Wort „Hund", sieht aber eine abstrakte Aneinanderreihung von Zeichen, die sich nicht automatisch erschließt.
Das ist anstrengend. Sehr anstrengend. Und wer täglich gegen diese Erschöpfung ankämpft, verliert irgendwann den Mut – und die Freude am Lernen.
Typische Anzeichen, auf die ihr achten könnt
Buchstaben werden verwechselt: b/d, p/q, u/n
Wörter werden beim Lesen erraten statt erlesen
Das Schreiben dauert unverhältnismäßig lange
Gelesenes wird kaum behalten
Große Diskrepanz zwischen mündlicher Stärke und schriftlicher Leistung
Zunehmendes Vermeiden von Lesen und Schreiben
Wichtig: Nicht jedes Kind, das Buchstaben dreht, hat Legasthenie. Erst ab einem gewissen Alter und einer gewissen Ausprägung spricht man von einer Legasthenie. Eine fundierte Austestung schafft hier Klarheit.
Die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung
Eine frühzeitige Erkennung von Legasthenie ist entscheidend für den Erfolg der Förderung. Je früher die Störung identifiziert wird, desto besser können geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Eltern, Lehrer und Fachkräfte sollten auf Anzeichen achten, wie z. B.:
Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens oder Schreibens
Probleme beim Zählen oder Verstehen von Zahlen
Verwirrung bei ähnlichen Buchstaben oder Zahlen
Tipps zur Förderung bei Legasthenie
1. Individuelle Lernstrategien entwickeln
Jedes Kind ist einzigartig, und das gilt auch für die Art und Weise, wie es lernt. Es ist wichtig, individuelle Lernstrategien zu entwickeln, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Kindes abgestimmt sind. Hier sind einige Ansätze:
Multisensorisches Lernen: Nutzen Sie verschiedene Sinne, um das Lernen zu unterstützen. Zum Beispiel können Kinder Buchstaben mit Sand oder Knete nachformen.
Visuelle Hilfsmittel: Verwenden Sie Bilder, Diagramme und Farben, um Informationen zu veranschaulichen und das Verständnis zu fördern.
2. Regelmäßige Übung
Regelmäßige Übung ist entscheidend, um die Lesefähigkeiten zu verbessern. Hier sind einige Tipps:
Lesen Sie gemeinsam: Lesen Sie regelmäßig mit Ihrem Kind und stellen Sie Fragen zu dem Gelesenen, um das Verständnis zu fördern.
Spiele und Aktivitäten: Nutzen Sie Spiele, die das Lesen und Schreiben fördern, wie z. B. Wortspiele oder Buchstabensuchspiele.
3. Positive Verstärkung
Lob und positive Verstärkung können die Motivation und das Selbstbewusstsein eines Kindes stärken. Feiern Sie kleine Erfolge und ermutigen Sie Ihr Kind, weiterzumachen.
Unterstützung durch Fachkräfte
1. Lehrer und Lerntrainer
Die Zusammenarbeit mit Lehrern und Lerntrainerinnen kann entscheidend sein. Diese Fachkräfte können individuelle Förderpläne erstellen und spezielle Materialien bereitstellen, die auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt sind.
2. Therapie und Nachhilfe
In einigen Fällen kann eine Therapie oder Nachhilfe sinnvoll sein. Suchen Sie nach Fachleuten, die Erfahrung mit Dyskalkulie haben und geeignete Methoden anwenden.
3.Technologische Hilfsmittel
In der heutigen digitalen Welt gibt es viele technologische Hilfsmittel, die das Lernen unterstützen können. Hier sind einige Beispiele:
Apps und Software: Es gibt zahlreiche Apps, die speziell für Kinder mit Dyslexie und Dyskalkulie entwickelt wurden. Diese können das Lernen spielerisch und interaktiv gestalten.
Audiobücher: Audiobücher können eine wertvolle Ressource sein, um das Leseverständnis zu fördern, ohne dass das Kind selbst lesen muss.
Fazit: Was ist Legasthenie?
Was Legasthenie nicht ist
Legasthenie ist keine Faulheit. Kein Zeichen von geringer Intelligenz. Kein Erziehungsfehler. Und sie verschwindet auch nicht, wenn man das Kind einfach „mehr üben" lässt – zumindest nicht mit den falschen Methoden.
Was wirklich hilft, ist ein individueller, einfühlsamer Ansatz, der das Kind dort abholt, wo es steht. Der seine Stärken sieht. Und der Lernen wieder leicht werden lässt.
Was ihr als Eltern tun könnt
Wenn ihr den Verdacht habt, dass euer Kind von Legasthenie betroffen sein könnte, ist der erste Schritt: Ruhe bewahren und hinschauen. Sprecht mit der Lehrerin oder dem Lehrer. Holt euch eine professionelle Einschätzung. Und vor allem: Sagt eurem Kind, dass es nichts falsch macht – es braucht nur den richtigen Schlüssel.
Denn den gibt es. Immer.



Kommentare